Coronageschichten

Auf einmal war die Party zu Ende: DJ Toddy beschreibt seine Gefühle

Video vom 8. Mai 2020
Screenshot aus einem Film von DJ Toddy
Bild: DJ Toddy

DJ Toddy, 47 Jahre, aus Bremen
"Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so kommt. Jeder hat gedacht: Es wird nicht passieren und dann sind wir mittendrin in der Coronakrise!

Die Absagen kamen von heute auf morgen und alles blieb stehen: Keine einzige Veranstaltung mehr, die Bücher waren voll mit Jobs und dann das! Der Boden wurde mir unter den Füßen weggezogen! Was jetzt? Was soll ich machen? Fragen, Sorgen, Unsicherheit! Meine Frau, meine Kinder, meine ganze Familie - hoffentlich bleiben sie gesund. Was machen wir jetzt?

Ich liebe meinen Job als Entertainer und es ist nicht nur ein Hobby, sondern mein Leben, meine Berufung und meine Leidenschaft! Als hauptberuflicher DJ und Entertainer ist es so oder so nicht leicht allem gerecht zu werden. Für mich heißt mein Beruf: Ständig und meistens (immer) Nachtschicht! Diesen Beruf muss man lieben und wirklich wollen.

Ich bin seit 20 Jahren schon dabei und ich fühle mich nicht ernst genommen in der Gesellschaft. Die Leute hinter jeder Party werden nicht wahrgenommen. Techniker, Veranstalter, alle Bühnenmenschen und und und... Die haben von jetzt auf gleich nichts mehr zu tun.

Da wir ein Familienunternehmen sind und meine Frau im Büro alles macht, war klar: Wir müssen Kurzarbeit anmelden! Ein ständiges Telefonieren mit unserem Steuerberater und der Bank – das macht einen fertig. Wie lange geht das? Was sollen wir machen? Anträge abwarten und ständig kommen neue Absagen rein.

Dazu kommt, dass meine Eltern zur Risikogruppe gehören und mein Vater gerade eine Herz-OP hinter sich hat.

Es ist wie im schlechten Film und ich frage mich, wie lange er noch geht! Die erste Zeit war sehr hart für mich und meine Familie, weil man wie ein aufgescheuchtes Huhn durch das Haus rennt.

Aber: Ich habe einen Weg gefunden mich selbst zu beruhigen: Einen Film, der alles erzählt, was in mir los ist! Er heißt: Level 1 und ist elf Minuten lang! Einfach raus damit und erzählen und mit anderen drüber reden.

Man lernt Dinge wieder zu schätzen: Zum Beispiel mit der Familie viel Zeit zu verbringen und festzustellen, wie gut es tut eine zu haben. Corona hat mir gezeigt, dass es Wichtigeres gibt als auf der Bühne stundenlang Unterhaltung zu machen!

Traurig macht mich der Egoismus in der Gesellschaft. Nicht jeder ist so, aber die meisten. Für mich ist klar: Durchhalten, Kopf hoch und kämpfen! Ich werde es schaffen und gehe gestärkt aus der Krise. Dank meiner Familie und meiner Freunde, die mir zur Seite stehen!

Bis zur nächsten Party!

DJ Toddy."

(E-Mail vom 28. April 2020)

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 8.Mai 2020, 19:30 Uhr