Coronageschichten

Pferdetrainerin Conny kämpft sich zurück: Online-Messe statt Tournee

Eine blonde Frau kniet vor einem Pferd und streichelt es
Nach einem schweren Reitunfall wollte Conny dieses Jahr als Reittrainerin wieder durchstarten. Dann kam Corona und eine Online-Pferdemesse. Bild: Conny

Conny, 52 Jahre, aus Ritterhude
"Ich bin Reitsporttrainerin - seit ich denken kann, bin ich im Pferdesport unterwegs. 2013 hatte ich mit meinem Pferd einen ganz schweren Reitunfall, bei dem mein Pferd und ich sich jeweils die Wirbelsäule gebrochen haben. Nach ungefähr vier Jahren Reitpause haben wir wieder angefangen mit Reiten. Mit mäßigem Erfolg, vielen Tränen, viel Schmerz, aber: Wir haben es geschafft. Mittlerweile sind wir wieder auf kleinen Turnieren unterwegs.

Dieses Jahr nun sollte unser Jahr werden. Ich bin als Trainerin eingeladen worden auf einer großen Tournee mitzufahren, der Equilumina. Es sollte so sein, dass sich mehrere Trainer austauschen, die Zuschauer sollten mit den Pferden zelten und an Workshops teilnehmen. Ein Riesenevent mit Bands und allem was dazugehört.

Und ich dachte: 'Ja! Conny, jetzt bist du endlich mal am Drücker, jetzt hast du richtig Glück und jetzt bist du mal mit dabei.' Und dann kam Corona. Alles kaputt, alles abgesagt - alle Lehrgänge, alle Turniere, alle Termine.

Meine Einnahmen sind auf Null gesunken. Dann hat Arien Aguilar, einer der anderen Trainer, innerhalb von nur zwölf Tagen (!!!) eine Online-Pferdemesse mit über 80 verschiedenen Trainern - aus der klassischen Reitkunst und der akademischen Reitkunst – auf die Beine gestellt. Alle Trainer sollten ein Video machen, ungefähr 20 Minuten lang für die Online-Pferdemesse. Da waren sehr bekannte und auch kleine Trainer bei - über 100 Leute.

Die Messe lief dann so: Als Zuschauer konnte man Tickets kaufen, dann konnte man alle Videos und Sponsoren ansehen - thematisch war alles wie auf einer Messe sortiert.

Wir haben damit gerechnet, dass so 2.000 Zuschauer kommen, aber das Ding ist so durch die Decke gegangen. Serverabsturz, dann ging gar nichts mehr. Wir wurden überrannt - mit 20.000 Ticketverkäufen. Das war Wahnsinn.

Die eingenommene Summe wurde an die Trainer weitergegeben. Damit wir über die Runden kommen. Wir müssen ja weiter alles bezahlen - das Futter, die Miete, die Versicherungen für die Tiere. Und das ohne Einnahmen."

(Sprachnachricht vom 20. April 2020)

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. März 2020, 19:30 Uhr