Coronageschichten

In Ottersberg schweben Luftballons durchs Pflegeheim

Ein Mann mit Mundnasenschutz hat zwei risige Beutel mit Luftballon in den Händen
Um seiner Mutter eine Freunde zu machen, hat der Ballonkünstler "Tom Bola" viele bunte Ballons in ein Pflegeheim in Ottersberg gebracht. Bild: Birte

Birte, 52 Jahre, aus Bremen
"Keine Veranstaltungen, keine Engagements, keine Einnahmen – dieses traurige Motto wollte mein Mann nicht einfach hinnehmen. Normalerweise verdient er als Ballonkünstler und Entertainer 'Tom Bola' sein Geld. Nun werden täglich mehrere Veranstaltungen abgesagt und seine Erwartung, bald wieder von seiner Kunst leben zu können, ist nicht sehr groß. Die Ballons in seinem Lager werden mit der Zeit auch nicht besser, ist ja schließlich Naturmaterial.

Aber was soll er machen?! Lustig sein und gute Stimmung verbreiten kann mein Mann Thomas nicht einfach so abstellen. Dann kam auch noch die Sorge um die 94-jährige Mutter im Pflegeheim vor den Toren Bremens dazu. Das Besuchsverbot wäre nicht das Schlimmste, wenn das Telefonieren ginge. Jedoch können viele ältere und beeinträchtigte Menschen zum Beispiel bei Demenz auch nicht mehr einfach zum Hörer greifen.

Mein Mann hatte die Idee: Er sucht die lustigsten Ballons aus seinem Bestand, füllt den Rest Helium rein, den er noch hat und bringt sie ins Pflegeheim. Jede*r Bewohner*in, der oder die einen bunten Ballon haben möchte, soll einen bekommen – und für seine Mutter soll es ein besonders schöner sein. So hätten die Bewohner für circa 10 bis 14 Tage ein bisschen Leichtigkeit, Farbe und Abwechslung im Zimmer. Gesagt, getan.

Aber: Nur kurz nach dem Start der Aktion knallte es im Hause Tom Bola – die Smiley-Ballons waren zu alt und das Helium dahin! Eine Flasche Helium gab es noch, die Ballons wurden mit wenigen Strichen von Hand bemalt und ab ging es nach Ottersberg.

Mit 30 Ballons im Auto fuhren wir auf den Hof und legten die Masken an und die Ballons vor die Tür. Schnell kamen die Frauen des Pflegepersonals und übernahmen die fröhlich-bunte Lieferung. Und gut, dass Thomas' Mutter im Erdgeschoss wohnt und eine Terrasse hat. So konnten wir sie wenigstens aus zehn Metern Entfernung sehen und sprechen.

Mit bunten Ballons Freude bereiten – heute hat es mal wieder geklappt!"

(E-Mail vom 20. April 2020)

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Vormittag, 9. April 2020, 10:45 Uhr