Coronageschichten

"Ich hatte Dauerfieber, Gelenkschmerzen. Mir ging es richtig schlecht"

Video vom 9. April 2020
Familienvater mit seinen zwei Kindern auf der Couch
Inzwischen ist der böse Corona-Spuck vorbei, sitzt der Familie aber noch in den Knochen.

Axel, 56 Jahre, aus Bremen:
"Eigentlich lief alles super: Unsere beiden Kinder waren bei den Großeltern untergebracht und so konnten meine Frau und ich Anfang März nach Ischgl in den Ski-Urlaub fahren. Meine Frau bekam dann irgendwann Halsschmerzen – aber wir dachten uns, das käme vielleicht von dem offenen Fenster, an dem wir geschlafen hatten. Nachdenklich wurden wir erst, als uns jemand erzählte, dass ein Barkeeper in der Après-Ski-Bar 'Kitzloch' positiv auf Corona getestet wurde und die Bar dann tatsächlich auch geschlossen wurde. Ab da ging es rasend schnell: Einen Tag später stand an den Gondeln, dass nur noch vier statt 25 Menschen mitfahren dürfen. Und dann hieß es, der Skibetrieb sei zum Wochenende eingestellt. Kurz darauf wurde die Regelung auf ganz Tirol ausgeweitet. Wir wollten dann einen Tag früher als geplant abreisen – und haben da eigentlich erst realisiert, dass dort grad irgendwas Unglaubliches passiert. Als wir am Hotel unser Auto mit unseren Sachen beladen wollten, fuhr ein Auto neben uns mit quietschenden Reifen an das andere Hotel ran: Da flogen die Fahrertüren auf und die haben dann nur noch die Koffer reingeworfen – das war wie auf der Flucht.

Auf der Rückfahrt bekamen wir die Info von einem Bekannten, der vier Tage mit uns Ski gefahren war, dass sein Test positiv ausgefallen sei. Ab diesem Zeitpunkt galten wir als Kontaktperson und haben uns in Quarantäne begeben. Einen Tag später hab ich dann die ersten Symptome bei mir bemerkt: Ich hatte Dauerfieber, Gelenkschmerzen, Husten kombiniert mit Schmerzen in der Lunge, was ich noch nie hatte. Ich hatte so ein Mattheitsgefühl, keinen Appetit. Mir ging es richtig schlecht. Als wir uns am 16. März im Klinikum Mitte testen lassen wollten, stand da bereits um halb acht eine Mörder-Schlange vor dem Gebäude. Keiner hat sich an den Sicherheitsabstand gehalten. Wenn die Menschen nicht vorher krank waren, dann sind sie es da geworden. Nach drei Stunden durften wir dann endlich ins Gebäude.

Ich bin ein sehr sportlicher Typ, achte auf meine Ernährung und gehöre eigentlich so gar nicht zur Risikogruppe. Aber das Coronavirus hat mich komplett niedergestreckt. Eine Woche nach dem Test – dessen Ergebnis uns übrigens immer noch nicht vorlag – ging es mir so schlecht, dass ich auf Anraten meines Arztes ins Krankenhaus gegangen bin. Dort habe ich dann auch endlich das Testergebnis erfahren: Positiv. Die gute Nachricht:Trotz des hohen Fiebers war meine Lunge weiterhin voll funktionsfähig und ich hab ein Antiobiotikum verschrieben bekommen. Aber ich wollte nach Hause – im Krankenhaus hatte ich einige sehr chaotische Situationen erlebt, weshalb ich mich zu Hause besser aufgehoben fühlte. Und so war es dann auch: Ab diesem Zeitpunkt kam mein Körper zur Ruhe.

Seit dem 28. März nehme ich keine fiebersenkenden Mittel mehr, bin aber immer noch nicht wieder hundertprozentig fit. Als meine Frau und ich nach vier Wochen endlich unsere beiden Kinder wiedersehen durften, war das ein wirklich emotionaler Moment. Vor allem, weil in der Zwischenzeit auch mein Sohn an Corona erkrankt war und wir uns alle große Sorgen um ihn gemacht hatten. Wir wissen bis heute nicht, wo er sich angesteckt hat, aber das spielt jetzt auch keine Rolle mehr. Es geht uns allen wieder gut und ich bin einfach jeden Tag dankbar, dass ich wieder in den Garten gehen und mit meiner Familie grillen kann. (buten un binnen vom 9. April 2020)

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. März 2020, 19:30 Uhr