Coronageschichten

Annette hat ihre Kneipe wieder geöffnet - doch vieles ist schwierig

Ein Haus von außen. Am Haus hängt ein Schild mit der Aufschrift "Schlumpfwinkel". Vor der Kneipe steht ein roter Sonnenschirm.
Annette kann ihre Kneipe wieder öffnen. Doch Karten- und Würfelspiele sowie Veranstaltungen sind noch verboten. Bild: Annette

Annette, aus Bremen:
"Ich habe seit ein paar Tagen meine Kneipe wieder geöffnet. Meine Gäste freuen sich, dass sie endlich mal wieder ein Fassbier trinken können, und dass man sich mal wiedersieht. Viele meiner Gäste sind auch Freunde geworden. Schwierig ist es allerdings mit dem Abstand. Wir haben gemessen, so dass die Tische genau zwei Meter auseinander stehen. Es dürfen auch nur Menschen aus zwei verschiedenen Haushalten an einem Tisch sitzen. Das klappt ganz gut. Nur wenn die Leute etwas getrunken haben, dann vergessen sie das ganz leicht mal, da muss ich immer wieder darauf hinweisen. Das ist schon ein bisschen schwierig.

Schade ist, dass ein generelles Thekenverbot besteht. Bei mir in der Kneipe ist es normalerweise so, dass eigentlich jeden Abend geknobelt wird – mit so sechs oder sieben Leuten. Das geht jetzt überhaupt nicht. Ich habe auch Kartenspieler. Die kommen zwar, aber die können keine Karten mehr spielen. Das ist das, was meine Kneipe eigentlich ausmacht.

Auch Veranstaltungen kann ich keine mehr machen. Wir haben sonst immer zweimal im Monat Livemusik gehabt, es haben verschiedene Bands gespielt, wir hatten Sessions oder mal eine 80er-Party. Und ich habe auch hin und wieder private Feiern wie Geburtstage in meiner Kneipe gehabt. Das braucht die Kneipe auch, weil man mit dem normalen Kneipenbetrieb nicht mehr so viel Umsatz macht wie früher.

Ich habe viele Gäste, die von weiter weg kommen - aus Delmenhorst oder Bremen Nord. Die kommen jetzt auch nicht mehr auf Verdacht, weil ich drinnen ja eine begrenzte Anzahl an Plätzen habe. Und wenn jemand aus Gröpelingen kommt und dann keinen Platz bekommt, dann ist das schwierig. Einige haben mich auch schon angerufen und Plätze reserviert. Aber wenn die um 19 Uhr einen Platz reserviert haben und eine halbe Stunde vorher kommt einer, dann muss ich dem sagen: 'Du darfst da nur bis sieben Uhr sitzen.' Das ist schwierig. Da muss ich gucken, wie das jetzt so geht.

Ein Hinterhof mir blauen Sonnenschirmen. Unter den Schirmen stehen jeweils zwei Stühle mit roten Sitzkissen und ein kleiner Tisch.
Für ihren kleinen Biergarten hat Annette extra kleiner Tische gekauft, damit sie mehr Plätze anbieten kann. Bild: Annette

In einer Kneipe kann man ja nicht sagen, ob man eine Stunde bleibt oder drei Stunden. Viele wollen nur mal kurz auf ein Bier kommen und dann schnackt man und trifft Freunde und bleibt drei Stunden. Im Restaurant ist das schon ein bisschen anders.

Wir haben jetzt auch gutes Wetter gehabt, da ist es klasse, dass ich draußen einen kleinen Biergarten habe. Wir haben extra etwas kleinere Tische gekauft, damit wir mehr Plätze unterbringen können. Wenn es jetzt regnet, müssen wir abwarten, wie das dann ist. Aber wir sehen zuversichtlich in die Zukunft. Wir freuen uns ja, dass wir überhaupt wieder aufhaben dürfen und dass wir unsere Gäste wiedersehen dürfen."

(Sprachnachricht vom 22. Mai 2020)

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. Mai 2020, 19:30 Uhr