Coronageschichten

Logopädin erlebt bei virtuellen Besuchen einige Überraschungen

Bild von einem Tablet mit bunten runden Kunststoff-Steinen.
Anna-Lena gibt in der Coronakrise nur noch virtuellen Logopädie-Unterricht – und freut sich, auch mal einen privaten Einblick in das Leben ihrer Patienten zu erhaschen. Bild: Anna-Lena

Anna-Lena, 26 Jahre, aus Bruchhausen-Vilsen:
"Ich arbeite als Logopädin in der Bremer Innenstadt. Neben unserem Praxisbetrieb besuchen wir viele unserer Patientinnen und Patienten in ihren Einrichtungen und führen dort Therapien durch. Die Einrichtungen haben aber momentan wegen der Coronakrise geschlossen und niemand kommt mehr in die Praxis. Wir wollen trotzdem niemanden im Stich lassen. Deshalb sind wir in den vergangenen zwei Wochen dazu übergegangen, die Therapien über Video-Konferenzen durchzuführen. Das bedeutet: Wir schalten uns via Video-Konferenz zu unseren Patientinnen und Patienten nach Hause. Das klappt erstaunlich gut!

Wir waren selbst überrascht, wie konzentriert auch die Jüngeren bei Therapiespielen dabei sind, obwohl wir diese nur virtuell spielen. Kleine Herausforderungen werden gut gemeistert: Gestern hatte ich eine Therapie mit einem Jungen mit Trisomie 21. Er musste erst einmal verstehen, seine Gebärden vor der Computer-Kamera zu machen, da ich sie sonst nicht sehen kann.

Das ist in der persönlichen Therapie natürlich einfacher. Wirklich lustig ist es, dass man live bei den Familien zu Hause ist, statt in der Praxis. Von der zerzausten Frisur einer Teenager-Patientin ('Sorry, gerade erst aufgestanden.'), bis hin zu einer kleinen Schwester, die von der Toilette ruft: 'Ich bin feeeeertig!'

Ich bin sehr gespannt, was ich in den nächsten Tagen und Wochen noch an Anekdoten sammeln werde und ich freue mich auch, meine Patientinnen und Patienten mal von einer anderen, persönlicheren Seite kennenzulernen." (E-Mail vom 05. April 2020)

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. März 2020, 19:30 Uhr