Coronageschichten

Virologe: "Habe gelernt, mich anders auszudrücken"

Andreas Dotzauer
Andreas ist Virologe am Laboratorium für Virusforschung an der Uni Bremen. Bild: Radio Bremen

Andreas, aus Bremen:
"Natürlich hat sich in meinem Berufsalltag etwas verändert. Es gibt da eigentlich zwei Gesichtspunkte: Meine Tätigkeit als Virologe und die an der Hochschule. Und die zweite ist eigentlich viel mehr betroffen, denn wir unterliegen gewaltigen Einschränkungen. Der Präsenzbetrieb ist runtergefahren, ich muss völlig neue Lernformate schaffen, das kostet mich unendlich viel Zeit. Die Lehre läuft über Telefon- und Videokonferenzen. Das beschäftigt mich sehr.

Aber natürlich hat sich auch in meinem Beruf als Virologe etwas geändert. Ein positiver Aspekt ist, dass unser Berufsbild in der Öffentlichkeit dargestellt wird, wir sind jetzt viel sichtbarer. Außerdem bekomme ich viele Anfragen von den Medien. Aber auch fremde Leute rufen mich einfach so an, weil sie etwas gelesen oder gehört haben, und wollen sich bei mir informieren.

Ich versuche dann zu erklären und nehme mir die Zeit. Es gehört meiner Meinung nach auch zu unserer Aufgabe als Wissenschaftler, die Öffentlichkeit zu informieren. Auch im privaten Umfeld hat sich vorher kein Mensch für meine Arbeit interessiert – jetzt rufen mich Familienmitglieder regelmäßig an und wollen auf den neuesten Stand gebracht werden oder haben spezielle Fragen.

Ich werde jetzt ständig um Rat gefragt, aus verschiedenen Richtungen – das kannte ich so nicht. Als es beispielsweise um die Masernimpfpflicht oder die letzte Grippewelle ging, wurde mein Rat nicht eingeholt. Das ist jetzt ganz anders. Und das sehe ich schon positiv. Denn wir machen unsere Arbeit ja, um der Gesellschaft zu nutzen. Wir haben eben dieses Fachwissen und gerade jetzt merkt man, wie wenig die Leute über Viren wissen. Das sind ja auch biologische Exoten. Und warum sollte man unser Fachwissen dann nicht nutzen und den Menschen weitergeben.

Ich habe in den letzten zwei, drei Monaten viel darüber gelernt, wie ich mich ausdrücke, wie ich Dinge erkläre. Also eben nicht, komplizierte Fachbegriffe zu benutzen, sondern mich allgemeinverständlich auszudrücken. Das ist nicht einfach. Wir denken natürlich in bestimmten Begriffen, aber die müssen wir vermeiden um für alle verständlich zu sein.

Die Kongresse fallen jetzt alle weg, aber wir Virologen sind natürlich trotzdem in Kontakt. Über die Gesellschaften für Virologie zum Beispiel – da tauschen wir uns auf fachlicher Ebene aus um auf dem Laufenden zu bleiben. Aber auch persönlich ist der Kontakt da. Corona hat da aber nicht viel dran geändert."

(Interview vom 11. Juni 2020)

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 25. April 2020, 19:30 Uhr.