Coronageschichten

Erster Spaziergang in Spanien nach 55 Tagen: "Ich musste fast weinen"

Video vom 8. Mai 2020
Eine kleine Gassen. Die Balkone der angrenzenden Häuser sind bund geschmückt. Über der Straßen hängen Girlanden.
Nach 55 Tagen Ausgangssperre durfte Hannah das erste Mal wieder auf die Straße für einen Spaziergang. Bild: Hannah

Hannah, 24 Jahre, Spanien
"Seit Februar bin ich in Sevilla, Spanien, weil ich hier ein Erasmus-Semester mache. Als dann das Coronavirus ausgebrochen ist, hat sich wie überall einiges verändert. Ich lebe in einer Stadt, wo sonst immer alles voll ist. Die Menschen essen Tapas, trinken Bier und es ist einfach sehr viel Leben auf den Straßen.

Es ist total absurd zu sehen, wie es jetzt ist: Total anders als in Deutschland. Wir durften gar nicht raus. Nicht zum Spazieren, nicht zum Joggen – gar nicht raus. Das Highlight von jedem hier war der wöchentliche Gang zum Supermarkt und zurück. Ansonsten habe ich absurde Eindrücke hier erlebt: Die Menschen laufen auf den Dachterrassen im Kreis, weil sie keine andere Möglichkeit hatten sich zu bewegen.

Wir können echt von Glück sprechen, dass wir überhaupt eine Dachterrasse haben. Es macht auch viel aus, ob man Mitbewohner hat oder nicht – gerade jetzt. In meiner WG haben wir manchmal gemeinsame Abendessen organisiert. Jeder hat was typisches aus seinem Land gekocht. Oder wir haben Salsa oder Bachata getanzt zusammen.

Es war schön zu sehen, wie die Leute versucht haben, das Beste aus der Situation zu machen. Es gibt hier ein Volksfest 'Feria de abril'. Da haben alle Menschen ihre Balkone geschmückt und über die Balkone hinweg getanzt, geredet, zusammen Musik gespielt und gefeiert. Das war echt schön.

Seit ein paar Tagen dürfen wir wieder rausgehen – nach Altersgruppen geteilt. Meine Altersgruppe darf von 6 bis 10 Uhr und von 20 bis 23 Uhr rausgehen – aber nur zum spazieren gehen und nicht weiter als einen Kilometer.

Als ich das erste Mal wieder draußen war, war das wirklich unglaublich emotional für mich. Ich musste fast weinen, weil wir ja 55 Tage fast eingesperrt waren. Dann durften wir endlich spazieren gehen. Und ich bin zufällig in eine Straße gelaufen, da waren die Menschen auf ihren Balkonen. Sie hatten ihre Flamenco-Outfits an und haben gesungen. Sie haben die Leute auf den Straßen gegrüßt, es gab Seifenblasen und Musik. Es ist wirklich so schön draußen spazieren gehen zu können."

(Sprachnachricht vom 6. Mai 2020)

Dieses Thema im Programm: Bremen Next, Next am Nachmittag, 8. Mai 2020, 17:08 Uhr