Coronageschichten

Der leere Marktplatz bringt Gästeführerin Annette zum Weinen

Der Marktplatz in Bremen ist menschenleer.
Für Gästeführerin Annette ist dieses Bild kaum zu ertragen: Für den Marktplatz wünscht sie sich die vielen fröhliche Besucher zurück.

Annette, 60 Jahre, aus Bremen
"Ich arbeite als Gästeführerin hier in Bremen in den Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch. Es war ein abrupter Schock im März, als mir und meinen Kollegen auf einmal alle Aufträge um die Ohren geflogen sind.

Und was waren das für tolle Aufträge: meine Lieblingsgruppen sind französische Rentner... die kommen nicht... wir hätten Kreuzfahrtschiffe in Bremerhaven empfangen und die Gäste nach Bremen begleitet.... fällt alles weg. Das erfüllt mich mit Traurigkeit.

Normalerweise ist jetzt die große Saison. Es ist, als fällt man in ein Nichts hinein. Wenn ich ein Foto des leeren Marktplatzes und des verwaisten Rolands sehe, könnte ich heulen. Es ist ja so, dass man als Gästeführer auch eine Art 'Rampensau' ist und sich viel Selbstwertgefühl aus dem positiven Feedback der Gäste holt. Auf einmal gibt es das nicht mehr, das ist auch eine Art Entzug.

Ich will wieder Applaus hören, meine Gäste zum Lachen und zum Staunen bringen. Vor allem will ich meine Franzosen zurück! Das hört sich natürlich alles nach Luxusproblem und Jammern auf hohem Niveau an. Ist es auch, aber im Rahmen einer Corona-Geschichte möchte ich einfach mal hemmungslos jammern. Vielen Dank für die Möglichkeit."

(E-Mail vom 20. April 2020)

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 17. März 2020, 9:10 Uhr