Interview

Wie ansteckend sind Affenpocken? Bremer Epidemiologe gibt Entwarnung

Ein Dokument mit dem Titel Laborergebnis, auf dem ein Kreuz beim Eintrag "Affenpocken" gemacht wurde.

Affenpocken in Deutschland: Wie gefährlich das Virus ist

Bild: Imago | IMAGO / Christian Ohde

Das Gesundheitsministerium erwartet eine Zunahme von Affenpocken-Fällen. Doch wie gefährlich ist das Virus? Der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb gibt eine Einschätzung.

Die ersten Fälle von Infektionen mit den Affenpocken wurden in Deutschland bereits gemeldet, das Bundesgesundheitsministerium erwartet noch weitere Infektionen. "Aufgrund der vielfältigen Kontakte der derzeit Infizierten ist in Europa und auch in Deutschland mit weiteren Erkrankungen zu rechnen", heißt es in einem Bericht für den Gesundheitsausschuss des Bundestages.

Inzwischen gibt es vier bestätigte Infektions- und Erkrankungsfälle in Deutschland – einen in München und drei in Berlin. Proben weiterer Personen seien in Abklärung. Was die Affenpocken eigentlich sind und was das für Bremen bedeutet, erklärt der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut.

Herr Zeeb, um was für ein Virus handelt es sich bei den Affenpocken?
Das ist durchaus ein anderes Virus als das Coronavirus. Es handelt sich dabei um ein DNA-Virus, das zur Pocken-Familie gehört. Die Pocken sind zwar seit 1972 ausgerottet, aber es gibt Familienmitglieder, die es weiterhin gibt. Das Virus verbreitet sich anders als Corona.
Epidemiologe Hajo Zeeb blickt in eine Kamera
Der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb sieht trotz erster Fälle von Affenpocken wenig Grund zur Sorge. Bild: Radio Bremen
Woran merke ich, dass ich dieses Virus habe?
Wenn ich daran erkranke, dann bekomme ich charakteristische Hautausschläge: erst entstehen Knötchen, dann Blasen. Sie können an den Händen, aber auch an den Genitalien auftreten. Das ist wohl auch das, was gesehen worden ist hauptsächlich bei den bislang wenigen Fällen, die berichtet worden sind. Neben dem charakteristischen Hautausschlag fühlt man sich zudem krank und schwach, wenn man das wirklich hat.
In den vergangenen Tagen wurden von Fällen aus Großbritannien berichtet, am Freitag hat es den ersten Fall in Deutschland gegeben. Das weckt die Erinnerung an Corona. Müssen wir uns Gedanken machen, dass uns das länger beschäftigen wird?
Die Affenpocken gibt es schon seit langer Zeit, sie sind erstmals Ende der 1950er-Jahre erkannt worden. Es gab immer nur sehr wenige Fälle. Vor allem in Westafrika und im Kongo hat es oft kleine Ausbrüche gegeben.
Auch im Moment ist es so, dass wir nur sehr wenige Fälle haben. Es gab nun ein paar Übertragungen von Mensch zu Mensch, aber das ist tatsächlich eine ganz kleine Zahl. Die Übertragung läuft auch nicht wie bei Corona über Aerosole, sondern per Tröpfcheninfektion oder direktem Hautkontakt wie bei Sexualkontakten. Das ist eine andere Geschichte, ich glaube, die Sorge kann erst einmal gering bleiben.

Mehr zum Thema:

Autorin

  • Isabell Karras Redaktion und Moderatorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, 20. Mai 2022, 15:45 Uhr