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Worum geht es beim Ärztetag in Bremen?

Blick auf das Konzerthaus "Die Glocke" an der Bremer Domsheide.

Worum geht es beim Ärztetag in Bremen?

Bild: DPA | Sina Schuldt

Im Bremer Konzerthaus "Die Glocke" wird heute der Ärztetag eröffnet. Neben dem Personalmangel stehen auch die psychischen Folgen der Corona-Maßnahmen zur Debatte.

Bremen ist dieser Tage der Mittelpunkt, wenn es um die Zukunft der Gesundheitsversorgung in Deutschland geht: Bis Montag hat der Marburger Bund in der Stadt getagt, nun geht es am Dienstag gleich weiter mit dem Deutschen Ärztetag. Noch bis Freitag diskutieren über 250 Ärztinnen und Ärzte aus ganz Deutschland über aktuelle Gesundheitsthemen.

Als Gast zur Eröffungsfeier, die im Konzerthaus "Die Glocke" stattfindet, kommt unter anderem Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Wenn er im Anschluss zurück nach Berlin fährt, wird er eine Menge Forderungen der Ärztinnen und Ärzte mitnehmen.

Was sind aus Sicht der Ärzteschaft die größten Wünsche an den Bund?
Das drängendste Problem ist der Fachkräftemangel. Nach Schätzungen der Bundesärztekammer werden in den nächsten Jahren rund 90.000 Ärztinnen und Ärzte in den Ruhestand gehen – und die meisten von ihnen haben keinen Nachfolger oder eine Nachfolgerin.

Aus diesem Grund hatte der Marburger Bund bereits einen Ausbau der Studienplätze gefordert. Der Ärztetag will aber noch mehr – unter anderem den jungen Ärztinnen und Ärzte mehr Geld anbieten, wenn sie eine eigene Praxis eröffnen. Für viele junge Mediziner ist es nämlich reizvoller in die Kliniken zu gehen. Denn da bekommen sie ein festes Gehalt und geregelte Arbeitszeiten.
Auf was für Forderungen kann sich Lauterbach im Hinblick auf die Corona-Pandemie einstellen?
Im Grunde genommen auf die, die es schon die ganze Zeit gibt. Etwa, dass sich die Gesundheitsämter untereinander besser vernetzen müssen und auch besser ausgestattet werden sollen.

Die Ärzteschaft will aber nicht nur Forderungen an die Politik stellen, sondern wird sich auch darum kümmern, was sie selbst tun kann. Deswegen gibt es eine Diskussion darüber, wie man psychische Folgen der Corona-Maßnahmen bei Kindern und Jugendlichen erkennen und behandeln kann. Studien belegen nämlich, dass die Pandemie und die Maßnahmen bei vielen Kindern und Jugendlichen zu psychischen Auswirkungen führen. Viele von ihnen leiden unter Zukunftsängsten, Leistungsdruck oder sie vereinsamen. Was Ärztinnen und Ärzte in solchen Fällen tun können, das soll auf dem Ärztetag erarbeitet werden.
Gibt es neben Fächkräftemangel und Corona-Folgen weitere Forderungen?
Unter anderem soll der Bund die Krankenhausplanung und Finanzierung überarbeiten. Denn momentan gibt es in den Kliniken einen Investitionsstau von gut 30 Milliarden Euro. Dieses Problem muss aus Sicht der Ärzteschaft dringend angegangen werden.

Ein weiteres Thema ist die Digitalisierung: Vielen Ärzten geht das einfach zu schnell und sie befürchten, dass es durch schnelle Einführungen wie etwa der digitalen Krankenakte zu größeren Fehlern kommen kann – was bei solch sensiblen Daten fatal wäre. Deswegen gibt es die Forderung, dass man die Praxen digitalisiert, aber lieber langsamer und gründlich, als schnell und überhastet.

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Autor

  • Fabian Metzner

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 24. Mai 2022, 6 Uhr