Kommentar

Kein Eintritt für mein eigenes Land!

Beim Bundesverwaltungsgericht haben die Strandgebühren-Gegner aus Friesland Recht bekommen: Strandgebühren sind nicht zulässig. Dass das Urteil erst in dritter Instanz kam, verwundert Kommentator Boris Hellmers. Er hält die Bezahlpflicht an Stränden für einen stillen Skandal.

Menschen am Strand, davor viele Geldscheine

Ich weiß noch, wie ich vor vielen Jahren zum ersten Mal mit der Strandgebühr konfrontiert wurde: In Cuxhaven-Duhnen, der Strandhochburg des Elbe-Weser-Dreiecks. Zwischen Zaunelementen stand dort tatsächlich eine Bezahlbude. Das hat mich nachhaltig verstört: Eintritt für einen Naturraum? Für öffentlichen Grund? Sozusagen: für mein eigenes Land?

Seit Janto Just und seine friesischen Mitkämpfer gegen die Wangerländer Strandgebühren angingen, habe ich den Prozess verfolgt – und zwei Instanzen lang nicht verstanden, wie man nicht zum Kernsatz des Bundesverwaltungsgerichts kommen konnte: Die "großflächige Kommerzialisierung des Strandzugangs ist unzulässig".

Sie kassieren, weil sie es können

Das ist das Zauberwort: Kommerzialisierung. Es liegt in der Natur öffentlicher Flächen, dass sie Gemeingut sind – selbst dann, wenn sie Geld kosten und Arbeit machen. Einen ganzen Strand einzuzäunen, um ihn dann gegen Entgelt wieder zugänglich zu machen: Das ist seit Jahrzehnten Usus, aber trotzdem ein stiller Skandal.

Natürlich hat jede öffentliche Fläche ihren Preis – ich bin sicher, dass es noch viel teurere Bereiche gibt, die stillschweigend aus allgemeinen Steuermitteln erhalten werden. An Stränden wird nur kassiert, weil man es kann. Weil sie abtrennbar sind – was sie übrigens auch nicht schöner macht. Weil sie für viele Menschen trotzdem attraktiv sind.

Angebot und Nachfrage? Nicht für den öffentlichen Raum!

Doch das ist genau das falsche Prinzip. Nach dem Modell Angebot und Nachfrage tickt die kommerzielle Marktwirtschaft – aber doch bitte nicht der öffentliche Lebensraum. Und wenn doch: Warum nicht auch Eintritt für teuer erhaltene historische Innenstädte? Warum nicht eine Maut für granitverpflasterte Fußgängerzonen? Ein Euro Gebühr für den Spaziergang am schön gestalteten Weserufer?

Dass all das nicht kommen wird, ist jedem klar. Genauso klar sollte sein: Bezahlbuden haben an den meisten Stränden nichts verloren.

  • Boris Hellmers

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 14. September, 19:30 Uhr