Kommentar

Konflikt um das Jugendamt Bremerhaven: Klärt das jetzt!

Ein Prüfbericht zeigt: Es läuft nicht rund im Bremerhavener Jugendamt. Unser Kommentator Boris Hellmers meint: Es muss noch viel mehr geprüft werden.

Grafik mit verschiedenen Namen und verwirrenden Pfeilen, die untereinander aufeinander zeigen.
Der Streit um den Jugendamts-Prüfbericht offenbart ein Gewirr von Konfliktlinien.

Wie wird im Bremerhavener Jugendamt eigentlich gearbeitet? Mit Schikane und Willkür – das ist der Eindruck, der nach der Lektüre des Prüfberichts hängenbleibt. Kontrolliert das denn keiner?

Neu ist das nicht, was in dem Bericht steht. Schon vor dem aktuellen Fall stand das Jugendamt in der Kritik. Hinter vorgehaltener Hand erzählen viele von denkwürdigen Erfahrungen mit der Behörde, insbesondere mit ihrer Leiterin Susanne Hild. Sie war unter der Ägide des damaligen Sozialdezernenten und heutigen Oberbürgermeisters Melf Grantz ins Amt gekommen – gegen den Widerstand zahlreicher Träger. Grantz ist in der Klemme: Um sein Gesicht zu wahren, muss er hinter Hild stehen.

Kritik an Bremerhavens Jugendamt

Kinder und Pädagogen in einem Klassenzimmer

Gestört von persönlichen Scharmützeln

Die Kritik kommt nun ausgerechnet vom Rechungsprüfungsamt. Dessen Leiterin Beate Gissel-Baden und Grantz verbindet eine ebenso lange wie herzliche Feindschaft. Sie haben es bis heute nicht geschafft, ihr von juristischen und persönlichen Scharmützeln gestörtes Verhältnis zu ordnen. Gissel-Baden wird daher nicht ohne Genugtuung demonstriert haben, dass ihr Amt durchaus funktioniert.

Ein Schuft, wer ihr Vergnügen daran unterstellt, der Verwaltung dieser Stadt ans Bein zu pinkeln – doch das heißt nicht, dass sie Unrecht hat. Auch wenn es hier um einen Einzelfall geht, bisher jedenfalls: Die Vorgänge im Jugendamt gehören untersucht, auch andere Träger befragt. Und zwar ergebnisoffen.

Was die Prüfer bei ihrer Kontrolle wohl vorfinden würden? Sie würden auf ein Gewirr von Konfliktlinien stoßen: den Hundertjährigen Krieg zwischen dem Oberbürgermeister und seiner Rechnungsprüferin, die Konflikte der Jugendamtsleiterin mit den sozialen Einrichtungen der Stadt – und nicht zuletzt den heraufziehenden Krach mit dem Koalitionspartner CDU.

Keine gute Miene mehr zum bösen Spiel

Denn die CDU hat offenbar keine Lust mehr, weiterhin gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Fraktionschef Thorsten Raschen fordert ohne Rücksicht auf den Koalitionspartner eine Durchleuchtung des gesamten Jugendamtes. Und er hat Recht. Denn gerade im Sozialdezernat fließen SPD-Parteimacht und Geld seit Jahrzehnten zusammen. 

Ja, was die Prüfer vorfinden würden, das möchte man wirklich gerne wissen. So könnte ein kleiner Prüfauftrag der Anlass sein, sich endlich mit dem Großen Ganzen auseinanderzusetzen. Und das wäre dann wirklich: ein schönes Ergebnis.

  • Boris Hellmers

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. August 2017, 19:30 Uhr