Kommentar

Bremen bekommt eine riesige Wunde, die lange nicht verheilen wird

Das Volk hat entschieden: Die 36 Hektar große Galopprennbahn in der Vahr soll nicht bebaut werden. Unser Autor Kai Schlüter hält das für ein städtebauliches Desaster.

Zu sehen ist die ehemalige Galopprennbahn von der Tribüne aus.

Das Volk hat gesprochen. Auf der ehemaligen Galopprennbahn in der Vahr werden keine Wohnungen gebaut. Ein städtebauliches Desaster. Bremen braucht Wohnungen, keine Golf-Brache. Vertan ist die Chance, innerstädtisch über 1.000 Wohnungen in grüner Umgebung zu bauen. Stattdessen bekommt Bremen nun eine riesige offene Wunde, die lange nicht verheilen wird. Ökologisch wertlos, ein Golfrasen, der sich zur Steppe auswächst.

Und es gibt keinen Plan, was daraus werden soll. Die Initiative, die gegen die Bebauung gekämpft hat, spricht wolkig von Naherholung, Kultur und Sport. Träumen die von einem zweiten Bürgerpark? Wer soll die Anlage des Parks bezahlen, wer ihn unterhalten? Und braucht Bremen überhaupt einen zweiten Bürgerpark? Nein, Bremen braucht bezahlbaren Wohnraum. Die sollen natürlich nicht auf die grüne Wiese gesetzt werden, sollen nicht Naturschutzgebiete auffressen und hoch hinaus soll auch nicht gebaut werden. Bremen möchte ja eine hochhausfreie Stadt bleiben. Auf der Rennbahn wäre Platz gewesen für über 1.000 Wohnungen. Aber es gab ja nun das Nein im Volksentscheid.

Ob die 56 Prozent, die mit Ja gestimmt hatten, wussten, dass ihr Ja ein Nein für die Bebauung bedeutete? Der Volksentscheid war verquer formuliert. Wer für Wohnungen war, musste mit Nein stimmen. Weil ein Ja zum Ortsgesetz ein Nein zur Bebauung hieß. Alles klar? Schon die Formulierung des Volksentscheids war ein Desaster. Bürokratisch und absolut missverständlich.

Mitschuld am Desaster tragen aber auch die CDU und die FDP. Sie haben sich im Bürgerschaftswahlkampf auf die Seite der Bebauungsgegner geschlagen, um dem rot-grünen Senat, der Linken und dem Deutschen Gewerkschaftsbund eins auszuwischen. Diese alle und noch viele weitere waren für die Bebauung. Nun möchten CDU und FDP in Bremen regieren. Und viele Wohnungen schaffen. Nur nicht auf der Rennbahn. Die CDU hat die fabelhafte Idee, im Neustädter Hafen, der als Stückgut- und Schwerlasthafen floriert, Wohnungen zu bauen. Im Hafen! Teil zwei des städtebaulichen Desasters der Möchtegern-Regierungspartei.

Was in Bremerhaven der Offshore Terminal OTB ist, droht in Bremen die Rennbahn zu werden. Ein landespolitischer Zankapfel. Über Jahre und Jahre. Nutzlos und teuer. Nur neue Wohnungen, die wird es dort nicht geben.

Rennbahn-Bebauung: Das sind die Pro- und Contra-Argumente

Christian Dohle und Susanne Hausmann auf der Rennbahn in Bremen.

Autor

  • Kai Schlüter

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 31. Mai 2019, 16:35 Uhr