Kommentar

Magnitz bespuckt, Veranstalter bedroht – geht's noch?

Unser Autor Jochen Grabler meint, dass grenzwertige Aktionen gegen die Bremer AfD nichts mit Demokratie zu tun haben. Und letztlich sind sie völlig kontraproduktiv.

Bremer AfD-Chef Frank Magnitz
In den vergangenen Tagen war die Bremer AfD mit fragwürdigen Aktionen ihrer Gegner konfrontiert. Bild: Imago | Hartenfelser

Geht's noch? Die Polizei meldet, dass der AfD-Frontmann Frank Magnitz auf offener Straße angespuckt wurde. Davor gab's das: Die AfD mietet eine Partyhalle, der Gastronom wird bedroht und zieht den Mietvertrag wieder zurück. Wiederum davor wird eine AfD-Wahlhelferin beim Plakatieren angegangen. Und an den Angriff auf Magnitz kann sich noch jeder erinnern.

Geht's noch? Wie viel rote Brause muss man eigentlich in der Birne haben, um das Hirn ganz und gar lahmzulegen?

Hilfe für einen Trümmerhaufen

Erstens, und das ist das schwächste Argument: Solche Aktionen sind Wahlkampfhilfe für die AfD. Langsam sollte nun jeder mitgekriegt haben, dass die AfD gerade schwächelt, gerade in den Westprovinzen, gerade in Bremen. Ihr einziges Thema, die "Flüchtlingskrise" ist ihr abhanden gekommen. Neue Themen zünden nicht wirklich. Wer den Bremer Wahlkampf verfolgt, kann besichtigen, wie schwach diese Partei politisch gerade auf der Brust ist. Personell ein zerstrittener Trümmerhaufen, intellektuell öde, propagandistisch eine Nullnummer.

Wie, um Himmels Willen, kann dann ein Gegner der AfD auf die maximal dämliche Idee kommen, der Partei nun Wahlkampfhilfe frei Haus zu liefern? Denn nichts hilft Magnitz und Co. in diesen Tagen mehr, als die ranzige Opferrolle aus der Trickkiste zu holen. Diesmal sogar mit echten Geschichten hinterlegt. Und warum? Weil irgendwelche spätpubertären Hirnis meinen, es wäre total antifaschistisch, einzelne Leute zu bedrohen, zu bepöbeln, anzugreifen.

Schützt das friedliche Klima in Bremen

Zweitens: Solche Aktionen haben in einer demokratischen Auseinandersetzung nichts verloren. Aber auch gar nichts! Wir wissen, dass auch in der rechten Szene an dumpfbackigen Schlägern kein Mangel ist. Wir wissen, dass sich solche Konflikte gerne hochschaukeln. Wollen wir das? Wollen wir ein politisches Klima, in dem das Faustrecht der Prärie regiert? Wollen wir Saalschutz, Sturmtrupps, Krawallarmeen? Glaubt jemand ernsthaft, dass die Demokratie mit einer Eskalation von Gewalt auf der Straße zu retten ist? Tausendmal nein! Ich jedenfalls will nicht, dass das friedliche Klima in der Stadt dermaßen vergiftet wird. Mir reichen die hasserfüllten Kommentare in den sogenannten sozialen Netzwerken. Ich will nicht, dass aus diesen Worten Taten folgen.

Drittens: Jetzt auf Gewalt zu setzen ist intellektuell armselig! Haben die Gegner der AfD keine Argumente? Haben sie wohl. Reichen die nicht? Doch, na klar. Also gibt es keinen Grund, nun zuzuschlagen. Außer... Es gehört zur Folklore der radikalen Gefühlslinken, alle naselang zu beschwören, dass der Faschismus nun unmittelbar vor der Tür stünde und der nächste Weltkrieg nebst Auschwitz sofort mit allen Mitteln verhindert werden müsste. Man wächst mit der historischen Mission – was ein gleichermaßen tolles wie hohles Gefühl sein mag. Der blöde Nebeneffekt dabei ist nur, dass man gleichzeitig den Feind zum Riesenzwerg aufbläst. Ausgerechnet die Bremer Trümmertruppe der AfD soll die Demokratie ernsthaft gefährden? Der Gedanke wäre lustig, wenn er nicht so absurd wäre. Zweiter blöder Nebeneffekt: Wer wie paralysiert nur nach rechts starrt, kriegt irgendwann eine Genickstarre und nimmt gar nicht mehr wahr, was sich sonst noch tut. Denn hey, wir haben noch so ein zwei sonstige Problemchen.

AfD nicht überschätzen

Kein Vertun, die Demokratie ist tatsächlich bedroht, auch und gerade von rechts außen. Aber ist die AfD tatsächlich so bedeutsam? Hat sie diese Macht? Übernimmt sie gerade den Staat? Das kann doch nun wirklich niemand ernsthaft behaupten.

Kurzum: Nichts, nichts, nichts legitimiert diese Gewalt! Im Gegenteil. Sie beschädigt die Demokratie, sie hilft dem vermeintlichen Gegner. Kurz gesagt: Solche Angriffe sind gefährlich und dämlich! Geht's noch?

  • Jochen Grabler

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 9. Mai 2019, 19:30 Uhr