Kommentar

Darum war Helga Trüpels Äußerung zu Jens Spahn falsch

Ist es homophob, wenn man einen Zusammenhang herstellt zwischen der Homosexualität von Jens Spahn und seinen politischen Positionen? Ja, meint Milan Jaeger. Ein Kommentar.

Helga Trüpel
Helga Trüpel (Bündnis 90/Die Grünen) war in den 1990er Jahren Senatorin für Kultur und Integration in Bremen. Seit 2004 ist sie Mitglied des Europäischen Parlaments. Bild: DPA | Thierry Monasse

Ein schwuler Mann hat dieselben Rechte wie alle anderen Menschen auch. Davon, dass dies im 21. Jahrhundert immer noch nicht bei allen angekommen ist, zeugt das Gezerre um die Ehe für alle. Von einer Europa-Abgeordneten der Grünen würde man dann aber doch erwarten, dass sie diese Aussage unterschreibt.

Helga Trüpel hat auf dem Landesparteitag der Bremer Grünen gezeigt, dass sie nicht auf der Höhe der Zeit ist. Wenn sie einen Zusammenhang zwischen den politischen Positionen des parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesfinanzministerium, Jens Spahn, und dessen Homosexualität herstellt, liegt darin eine – zumindest unterschwellige – Homophobie. Mit Blick auf die Jamaika-Verhandlungen in Berlin hatte Trüpel gesagt: "Wenn Merkel das nicht hinkriegt, dann ist sie weg. Und dann kommt dieser rechte, schwule Jens Spahn vielleicht. Daran habe ich nun gar kein Interesse."

Wenig später trat Trüpel noch einmal ans Mikro und entschuldigte sich für ihre Äußerung. Offenbar hat sie das aber bei Spahn persönlich noch nicht getan. Blöd nur, dass Trüpel ihrer Entschuldigung Folgendes hinterher schob: "Auch wenn er schwul ist – was gut ist – hat er auf diesem Ticket kein Recht, rechte Gesellschaftspolitik zu machen und gegen Migranten und Flüchtlinge vorzugehen."

Eine inhaltliche Auseinandersetzung ist nötig

Man kann Jens Spahn dafür kritisieren, wenn er öffentlich erklärt, auf der Straße nicht von frommen Katholiken angemacht zu werden, sondern von Menschen, die augenscheinlich aus dem islamisch geprägten Kulturraum stammen. Das aber derart polemisch verkürzt zu tun, wie Trüpel es getan hat, ist falsch.

Wer annimmt, Schwule müssten qua ihres Schwulseins in allen Punkten fortschrittliche gesellschaftspolitische Positionen vertreten, der reitet auf derselben Welle, wie diejenigen, die sagen, Frauen gehörten qua ihres Frauseins an den Herd. Vor allem: Wer definiert in diesem Zusammenhang, was als fortschrittlich und was als rückständig gilt?

Dass Trüpel nun von dem Bremer Landeschef der CDU, Jörg Kastendiek, scharf kritisiert wird, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Hat doch die Bremer CDU, etwa mit Elisabeth Motschmann, prominente Gegner der Ehe für alle in ihren Reihen. Wenn Kastendiek aber erklärt, dass es inakzeptabel sei, einen Zusammenhang zwischen Spahns Homosexualität und seinen Positionen herzustellen, hat er schlicht recht. Auch wenn es wehtun mag: Auch Homosexuelle haben das Recht, rechte Positionen einzunehmen. Man denke nur an Alice Weidel. Nötig wäre die inhaltliche Auseinandersetzung. Und nicht dumpfe Warnungen vor einer rechten, schwulen Politik.

  • Milan Jaeger

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 12. November 2017, 19:30 Uhr