Lesung

Christian Berkel

Literatur vor Ort in der Neuen Kirche in Emden

Christian Berkel
Christian Berkel Bild: imago/VIADATA

Für den Roman seiner Familie hat sich der Schauspieler Christian Berkel auf die Suche nach den eigenen Wurzeln gemacht. Mit sprachlicher Eleganz, viel Feingefühl und Raffinesse konzipiert Christian Berkel eine fiktionale Geschichte, die lebensechter nicht sein könnte.

Paris, Berlin, Hollywood

Mit 14 Jahren ging der gebürtige Berliner Christian Berkel nach Paris, wo er das erste Mal mit der Schauspielerei in Kontakt kam. Bereits während seiner Schulzeit in Frankreich nahm er Schauspielunterricht. Nach der Schule machte er eine Ausbildung an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin. 1977 besetzte die schwedische Regie-Legende Ingmar Bergman den 19-jährigen Christian Berkel für die Rolle des Studenten in "Das Schlangenei". Es folgten zahlreiche Engagements auf renommierten deutschsprachigen Theaterbühnen sowie weitere TV-Rollen. Einem breiten Publikum wurde er im Jahre 2001 als Häftling Nummer 38 in Oliver Hirschbiegels Kinofilm "Das Experiment" bekannt.

Christian Berkel ist in zahlreichen internationalen Filmproduktionen zu sehen, darunter in "Der Untergang" von Oliver Hirschbiegel oder in Hollywood-Blockbustern wie Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds". Seit 2006 spielt er den LKA-Kommissar Bruno Schumann in der ZDF-Serie "Der Kriminalist". Für seine schauspielerische Leistung wurde er unter anderem mit dem Bambi, der Goldenen Kamera und dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet.

Eine Familiengeschichte wie im Drama

Für Christian Berkel ist Frankreich jedoch weitaus mehr als der Auftakt seiner Schauspielkarriere. 1938 floh seine Mutter aufgrund ihrer jüdischen Abstammung erst nach Frankreich und später weiter nach Argentinien. Seine Eltern konnten in der Zeit des Nationalsozialismus nicht heiraten, sein Vater blieb in Nazideutschland, wo er während des Krieges als Stabsarzt bei der Wehrmacht arbeitete. Als er 1950 aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, heiratete er. 1955 entschloss sich Berkels Mutter, nach Deutschland zurückzukehren, und machte sich auf die Suche nach ihrem damaligen Freund. Sie fand ihn, er ließ sich scheiden und die beiden heirateten. Zwei Jahre später wurde ihr Sohn geboren: Christian Berkel.

Jahrelang bin ich vor meiner Geschichte davongelaufen. Dann erfand ich sie neu.

Christian Berkel
Cover: Christian Berkel, Der Apfelbaum, Ullstein
Christian Berkel, Der Apfelbaum, Ullstein, 416 Seiten, 22 Euro Bild: Ullstein

Für den Roman seiner Familie hat sich der Schauspieler Christian Berkel auf die Suche nach den eigenen Wurzeln gemacht. Er hat Archive besucht, Briefe gelesen und Reisen unternommen. Das Ergebnis ist ein großer Familienroman vor dem Hintergrund eines Jahrhunderts deutscher Geschichte und zugleich die Erzählung einer ungewöhnlichen Liebe. Mit sprachlicher Eleganz, viel Feingefühl und Raffinesse konzipiert Christian Berkel eine fiktionale Geschichte, die lebensechter nicht sein könnte. Frei erfunden und doch so nah an dem Schicksal seiner Eltern. Und so ist Christian Berkels Generationenroman auch viel mehr als ein Stück der eigenen Familiengeschichte, es ist tolle Literatur.

Moderation: Hilke Theessen

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Sparkasse Emden.
Der Sendetermin des Mitschnitts wird noch bekannt gegeben.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 12. März 2019, 1:55 Uhr