Live-Diskussion

Erdgasbohrungen im Wasserschutzgebiet?

Wirtschaftliche Interessen gegen Trinkwasser-Schutz im Landkreis Verden

Grafik: Wie funktioniert Fracking.

Die Deutsche Erdöl AG (Dea) möchte im Landkreis Verden Erdgasbohrungen durchführen. Ob diese das Grundwasser aus der Rotenburger Rinne" gefährden – darüber diskutieren wir bei "Bremen Zwei unterwegs".

So viel politische Einigkeit ist selten. Vor einem Monat hat der Kreistag von Verden – einstimmig und über sämtliche Parteigrenzen hinweg – beschlossen: Die von der Deutschen Erdöl AG (Dea) geplanten Erdgasbohrungen zwischen Scharnhorst und Holtum-Geest stellen eine "reale Gefahr" dar. Das Grundwasser aus der "Rotenburger Rinne", das Menschen in Verden, Rotenburg und Bremen täglich als Trinkwasser konsumieren, wäre im Schadensfall nicht mehr sicher.

Bohrungen im Wasserschutzgebiet

Die Dea dagegen erklärt: Das Grundwasser sei durch die geplanten Gasbohrungen nicht gefährdet. Noch ist offen, ob die Dea eine neue Erdgasförderstelle im Wasserschutz­gebiet in Betrieb nehmen darf. Das Unternehmen vermutet dort, in 5.000 Metern Tiefe, mehr als eine Milliarde Kubikmeter Erdgas: ein Jahr lang genug Gas für 500.000 Haushalte. Die Dea verfüge über die nötige Technik für eine sichere Bohrung. "Kann man das wissen?", fragen Politikerinnen und Politiker aus Kreistag, Landtag und Bundestag sowie Bürgerinitiativen.

Noch ist offen, welchem Element – Gas oder Wasser – Priorität eingeräumt wird. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung des Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) könnte die erheblichen negativen Auswirkungen der Gasbohrungen untermauern. Die niedersächsische rot-schwarze Koalition könnte befinden: Bohrungen in Wasserschutzgebieten sollen künftig verboten werden. Möglich ist aber auch, dass der Antrag der Dea für neue Erdgasbohrungen vollständig ist und das Unternehmen ganz offiziell noch in diesem Jahr damit beginnen darf.

Fragen:

Sind Erdgasbohrungen im Wasserschutzgebiet und sicheres Trinkwasser möglich?
Wie groß ist die Gefahr, dass die Wasserqualität leidet?
Wie stark kann Politik wirtschaftliche Interessen begrenzen?

Gesprächsteilnehmer:

  • Martin Busch, Sprecher Bürgerinitiative WALLE gegen GasBohren
  • Dörte Liebetruth, SPD, niedersächsische Landtagstags- und Verdener Kreistagsabgeordnete
  • Heinz Oberlach, Kommunikation Deutsche Erdöl-AG (Dea)
  • Christoph Löwer, Hauptgeschäftsführer Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG)
  • Andreas Sikorski, Präsident des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie des Landes Niedersachsen (LBEG)

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei unterwegs, 17. Januar 2018, 18:05 Uhr.