"Der Confed-Cup ist eine reine Image-Kampagne"

Der Confed-Cup hat begonnen. Das Ganze ist eine Prestige-Veranstaltung, keine WM-Generalprobe, sagt Sport-Reporter Heiko Neugebauer in seinem Kommentar.

Fußball mit Confed-Cup-Logo "Russia 2017"
Vom 17. Juni bis zum 2. Juli findet in Russland der Confed-Cup statt. Bild: Zuma Press

Der Confed-Cup hat nur die Funktion, die Interessen des Fußball-Weltverbandes FIFA wahrzunehmen, sonst nichts. Monetäre Interessen, zum Beispiel, durch die Übertragungsrechte oder die Einnahmen durch Hotelvermietungen, Fan-Artikel oder jedwede gastronomischen Angebote: alles durch die FIFA lizensiert an ausgewählte und finanzkräftige Unternehmen, Sponsoren genannt.

Es hat Kritik gegeben am Ausrichter Russland, ein autoritärer Staat, heißt es – mindestens autoritär, wenn nicht Schlimmeres. Aber die Vergabe von sportlichen Großereignissen gibt es fast nur noch an autoritäre Staaten – alle anderen wollen Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele ja gar nicht mehr haben.

Auch in diesem Bereich wird die FIFA zusammen mit dem Gastgeber versuchen, ein anderes Bild zu zeichnen. Ein freundliches natürlich. Ohne Hooligans – auch in Russland ein Problem – ohne Organisations-Pannen, ohne Verkehrschaos, mit viel ökologischen Ideen, Nachhaltigkeit, und vielleicht sogar ohne schlechtes Wetter. Eine reine Image-Kampagne.

Es ist eine reine Prestige-Veranstaltung und mitnichten eine Generalprobe für die WM im kommenden Jahr. In Zeiten, in denen sich gesellschaftliche Verhältnisse innerhalb von Tagen oder Wochen komplett verändern, verbieten sich alle Hochrechnungen auf den Sommer 2018 von selbst. Selbst der ansonsten so FIFA-treue DFB hat inzwischen erhebliche Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieser Veranstaltung.

Rein sportlich kann das zumindest aus deutscher Sicht ein bisschen anders, sogar besser aussehen. Denn die DFB-Elf kann eigentlich nur gewinnen. Bundestrainer Löw betont im Vorfeld der Veranstaltung immer wieder, wie wichtig der Confed-Cup 2005 für Spieler wie Schweinsteiger oder Podolski gewesen sei, auf ihrem Weg zu internationalen Superstars. Ich denke aber, sie wären es auch ohne Confed-Cup geworden.

  • Heiko Neugebauer

Dieses Thema im Programm: Nordwestradio, 16. Juni 2017, 8:45 Uhr